Ein Forschungsprojekt zu Kunst, Markt und Künstler

Die Frage, was Kunst ist, bleibt unbeantwortet – der, der sie stellt, scheint sich sogar einer gewissen Naivität zu entblößen. Anstatt deshalb zu fragen, „was Kunst ist“, – und damit zu einem neuen (vergeblichen) Definitionsversuch anzusetzen –, interessiert uns, wie Kunst möglich ist, das heißt, wie sie zustande kommt. Pointiert: Es soll hier nicht nach dem „Was“, sondern nach dem „Wie“ der Kunst, also nach der jeweiligen Entscheidungslogik gefragt werden, bspw.: Wie wird aus Nichts/Etwas ein „Werk“? Wie wird aus einem „Werk“ ein „Kunstwerk“? Wie aus dem „Kunstwerk“ ein „teures Kunstwerk“?
Das Verschieben des Untersuchungsfokus’ vom Wesen der Kunst auf den Prozess der Kunst bringt eine methodische Wende mit sich, die sich in einer Bewegung, weg von den eher statischen, kunsttheoretischen und den üblichen ideengeschichtlichen Deutungsansätzen, hin zu einer prozessorientierten, systemtheoretischen Perspektive zeigt.

Wendet man sich dem Prozess der Kunstentstehung zu, wirft dies sofort eine Vielzahl von Fragen auf: Die erste, die sich stellt, ist selbstverständlich die, wie der Prozess der Werkentstehung verläuft, also wie der Künstler das Werk schafft. Der Künstler muss eine Vielzahl von Entscheidungen treffen, um das Werk (ein Bild, ein Objekt, ein Musik- oder Bühnenstück etc.) zu erschaffen.
Zwischen einem Werk und einem Kunstwerk muss ein Unterschied sein, denn sonst wären alle Werke, die Künstler herstellen, Kunstwerke. Dem ist zum Leidwesen der Künstler aber nicht so. Unter der verfolgten prozessorientieren Sichtweise wird deshalb gefragt, wie der Vorgang vonstatten geht, innerhalb dessen zwischen Kunst/Nicht-Kunst entschieden wird.
Hat das Werk die Selektionshürde Kunstsystem genommen und ist zum Kunstwerk geworden, ist es auch für den marktorientierten Kunstbetrieb, den Kunstmarkt, interessant, da das Werk durch die ihm zuteil gewordene Aufmerksamkeit eine gewisse Absatzchance verspricht und damit Gewinn in Aussicht stellt. Das Werk wandelt sich vom rein ästhetischen Objekt hin zu einem, dem nun auch ökonomischer Wert beigemessen wird: Wie verlaufen die Entscheidungsprozesse, so dass aus einem ästhetischen Ding ein ökonomisches wird? Wie verlaufen Wertsteigerungseffekte?


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