Martin Tröndle (Hg.) (2009): Das Konzert. Neue Aufführungskonzepte für eine klassische Form. Bielefeld: Transcript, 252 Seiten.

Man muss das Konzert verändern, um es zu erhalten. Denn die Krise der klassischen Musik ist keine Krise der Musik, sondern eine ihrer Aufführungskultur. Anstöße und Beispiele für die Weiterentwicklungen des Konzerts und die Entwicklung neuer Aufführungskonzepte, geben in dem Band Autoren aus Musikwissenschaft, Soziologie und Ökonomie sowie Kritiker, Intendanten und der Musikindustrie.

Mit Beiträgen von
Beatrix Borchard
Ludger Brümmer
Markus Fein
Heiner Gembris
Werener Heinrichs
Michael Hutter
Christian Kellersmann
Susanne Keuchel
Volker Kirchberg
Elmar Lampson
Matthias Rebstock
Jens Roselt
Hans Christian Schmidt-Banse
Gerhard Schluze
Matthias Sträßner
Martin Tröndle
Elena Ungeheuer
Raimund Vogels
u.a.

Rezensionen
Isabella Urban, kulturmanagement.net, 06. Dezember 2009
Durchgehend verständlich geschrieben und mit einer ansprechenden Satzgestaltung versehen, dringt das Buch entlang dem Begriff der Aufführungskultur tief in die kulturellen, sozialen, ökonomischen und ästhetischen Schichten dessen ein, was ein Konzert eigentlich ausmacht. Diesen Turn von der „Ausführungs- zur Aufführungskultur“ offenbart neue Möglichkeiten für die Zukunft des Konzertes und wirkt erfrischend in der aktuellen Diskussion. Dabei geht es nicht um eine „Eventisierung“ des Konzerts, sondern darum, die Kunstform Konzert als ästhetisch-soziale Präsentationsform zeitgemäß weiter zu entwickeln, um der Musealisierung des Konzerts und der steten Veralterung des Publikums entgegenzuwirken: uneingeschränkte Leseempfehlung.

Gerald Mertens, Das Orchester, 11/09
“Man muss das Konzert verändern, um es zu erhalten. Denn die Krise der klassischen Musik ist keine Krise der Musik, sondern eine ihre Aufführungskultur“, lautet eine der Kernaussagen dieses Buchs, das ein Muss ist für jeden, der sich Gedanken über die sinnvolle und notwendige Weiterentwicklung des Konzertwesens macht.
… ein spannendes Konglomerat von Ansätzen und Sichtweisen darüber, wie die Aufführungskultur sinnvoll weiterentwickelt werden kann und muss. … ein Buch, dem man nur eine rasche Verbreitung wünschen kann.

Mandy Weiß, MDR Figaro, 23. September 2009
So fundiert, so wegweisend, so umfassend recherchiert und  vielgestaltig habe ich die Themen Populationsschwund in den “Konzerthäusern” und “Musikvermarktung heute” noch nie aufgearbeitet gefunden.

Stefan Arndt, Hannoversche Allgemeine Zeitung, 15. August 2009
…. das Erfolgsmodell von vor 150 Jahren verliert dramatisch an Anziehungskraft: Der Deutsche Musikrat hat zwischen 1993 und 2006 einen Rückgang der Besucherzahlen um 21,3 Prozent registriert; das Durchschnittsalter der Zuhörer liegt heute zwischen 55 und 60 Jahren, und es gilt als unwahrscheinlich, dass heute 30-Jährige mit 50 die Klassik für sich entdecken. Wenn man solche Statistiken vorsichtig auf die kommenden Jahrzehnte hochrechnet, ergeben sich apokalyptische Szenarien – den meisten Orchestern, Opernhäusern und Konzertveranstaltern wäre jede Existenzgrundlage entzogen. Bisher ist man dem erwarteten Zuhörerschwund mit zwei Strategien entgegengetreten: mit pädagogischen Maßnahmen vor allem für Kinder und Jugendliche und mit den Mitteln des Marketings, die neue Besucher werben sollen.
Der Musiker und Kulturwissenschaftler Martin Tröndle fügt in dem von ihm herausgegebenen Buch einen dritten, womöglich entscheidenden Ansatz hinzu. Er wendet den Blick weg vom Publikum auf das Konzertereignis selbst.

Neue Musik Zeitung, 10/09
Ein zweifellos wichtiger Reader zum Stand der gegenwärtigen Diskussion über Wege aus der Krise des Konzertwesens [...].

Gerald Mertens, Das Orchester, 11/09
Man muss das Konzert verändern, um es zu erhalten. Denn die Krise der klassischen Musik ist keine Krise der Musik, sondern eine ihre Aufführungskultur“, lautet eine der Kernaussagen dieses Buchs, das ein Muss ist für jeden, der sich Gedanken über die sinnvolle und notwendige Weiterentwicklung des Konzertwesens macht. Herausgeber Martin Tröndle hat im Frühjahr 2008 namhafte Autorinnen und Autoren aus Musikwissenschaft, Musikwirtschaft, aus Soziologie, Ökonomie und Kulturwissenschaften in zwei Veranstaltungen zur „Zukunft des Konzerts“ bzw. „Suche nach dem Publikum“ interdisziplinär zusammengeführt und deren Beiträge nun in einem gelungenen Sammelband zusammengefasst. Herausgekommen ist ein spannendes Konglomerat von Ansätzen und Sichtweisen darüber, wie die Aufführungskultur sinnvoll weiterentwickelt werden kann und muss.
Im ersten von insgesamt sieben Kapiteln geht es um das „Konzertwesen und seine Akteure“. Der Soziologe Gerhard Schulze beleuchtet die Entwicklung des Hörens von Musik und prophezeit dem Livekonzert im 21. Jahrhundert als einzigartigem Erlebnis eine gute Zukunft. Wirtschaftswissenschaftler Michael Hutter beschreibt den Einfluss ökonomischer Größen auf die Entwicklung des Konzertwesens. Seine Überlegungen zur Tarifpolitik gehen allerdings teilweise an der Realität vorbei und vernachlässigen die Tatsache, dass von den 133 deutschen Kulturorchestern über 80 Opernorchester sind, bei denen der Konzertbereich inhaltlich und ökonomisch eine völlig untergeordnete Rolle spielt. Heiner Gembris und Susanne Keuchel präsentieren die jüngsten Tendenzen der Besucherforschung und Publikumsentwicklung. Im zweiten Kapitel geht es um das Konzertereignis als einem „Moment kultureller Produktion“, im dritten werden verschiedene Konzertstätten untersucht und typisiert. Interessant ist die Unterscheidung Volker Kirchbergs zwischen außer-gewöhnlichen, traditionell-gewöhnlichen und „über-gewöhnlichen“ Konzertstätten, wobei Letztere meist durch eine spektakuläre Architektur gekennzeichnet sind. Mit „Kommunikation und Körperlichkeit“ ist das vierte Kapitel überschrieben, in dem u.a. Christian Kellersmann eine Lanze für die neue Musik als Zukunftspotenzial des Konzertbetriebs bricht. 
Im fünften Kapitel werden die Themen angesprochen, die sich im gängigen Konzertgeschäft rasch in die Praxis umsetzen lassen und wohl die größten Innovationspotenziale freisetzen. Vor allem Markus Fein beschreibt sehr anschaulich die Entwicklung und Wirkung spannender Konzertdramaturgien, die das Publikum in besonderer Weise in das eigentliche Konzertgeschehen einbinden und hierdurch neue Wahrnehmungs- und Erlebnisebenen schaffen. In diesem Sinn beschreiben Beatrix Borchard, wie man Konzerte förmlich „inszenieren“ kann, und David Canisius, wie das Clubformat der „Yellow Lounge“ neue Zuhörerschichten erreicht. Kritische Anmerkungen zur eventorientierten Musikvermittlung von Matthias Sträßner finden sich im sechsten Kapitel. Am Ende jedes Kapitels finden sich Literaturverzeichnisse. Kleine Fehler stören (z.B. „TKV“ statt „TVK“), aber es überwiegt der sehr positive Eindruck des Buchs, dem man nur eine rasche Verbreitung wünschen kann.

Stefan Arndt, Hannoversche Allgemeine Zeitung, 15. August.2009
Aber bitte mit Aura
In diesen Tagen beginnt überall die neue
 Klassiksaison – meist mit einem Konzert.
 Doch ist das noch die richtige Form, um
 Menschen für Musik 
zu begeistern?
Jetzt rächt es sich, dass Walter Benjamin nie einen iPod besessen hat. In seinem Essay „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ von 1936 untersuchte er, wie die damals noch jungen Medien Film und Fotografie das Theater und die bildende Kunst beeinflussten. Benjamin befürchtete, das Erlebnis der Kunst könne künftig an Intensität verlieren und die „Aura“ der Kunst zerstört werden. Seither haben sich die Arten, Theater zu machen oder Kunst zu zeigen, erheblich entwickelt: Dem Regisseur des modernen Theaters ist der Kurator als ein Interpret und künstlerischer Forscher im Ausstellungsbereich zur Seite getreten.
Die Musik spielte in diesem Zusammenhang für Benjamin noch keine Rolle – ganz einfach, weil das Grammofon mit seinem blechernen Klang noch nicht ernsthaft als Reproduktionsquelle angesehen werden konnte. Und als ob sich seit damals nichts geändert hätte, verharrt das Konzertwesen noch immer in der Form, die es Ende des 19. Jahrhunderts angenommen hatte.
Doch verliert das Erfolgsmodell von vor 150 Jahren dramatisch an Anziehungskraft: Der Deutsche Musikrat hat zwischen 1993 und 2006 einen Rückgang der Besucherzahlen um 21,3 Prozent registriert; das Durchschnittsalter der Zuhörer liegt heute zwischen 55 und 60 Jahren, und es gilt als unwahrscheinlich, dass heute 30-Jährige mit 50 die Klassik für sich entdecken. Wenn man solche Statistiken vorsichtig auf die kommenden Jahrzehnte hochrechnet, ergeben sich apokalyptische Szenarien – den meisten Orchestern, Opernhäusern und Konzertveranstaltern wäre jede Existenzgrundlage entzogen. Bisher ist man dem erwarteten Zuhörerschwund mit zwei Strategien entgegengetreten: mit pädagogischen Maßnahmen vor allem für Kinder und Jugendliche und mit den Mitteln des Marketings, die neue Besucher werben sollen.
Der Musiker und Kulturwissenschaftler Martin Tröndle fügt in dem von ihm herausgegebenen Buch „Das Konzert – Neue Aufführungskonzepte für eine klassische Form“ (Transcribt-Verlag, 333 Seiten, 29,80 Euro) einen dritten, womöglich entscheidenden Ansatz hinzu. Er wendet den Blick weg vom Publikum auf das Konzertereignis selbst. Tröndle, der bis vor einem Jahr als Musikreferent im niedersächsischen Kulturministerium arbeitete, untersucht gemeinsam mit Wissenschaftlern und Künstlern unterschiedlicher Disziplinen die Formen und Rituale des Konzerts – und entdeckt dabei großes Veränderungspotenzial, das in einer überraschenden These gipfelt: Die Krise der klassischen Musik ist keine Krise der Musik, sondern eine ihrer Aufführungskultur. Um das Konzert zu erhalten, so Tröndle, müsse man es verändern.
Sein Buch zeigt, dass das Konzertwesen in der Vergangenheit tatsächlich ständig variiert wurde. Die Orte, an denen Musik gespielt wurde, wuchsen vom privaten Musikzimmer zum prunkvollen öffentlichen Konzertsaal. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Programme bunt gemischt und so lang, dass es selbstverständlich war, das Konzert zwischendurch für andere Dinge zu verlassen. Erst danach wurde das Repertoire auf wenige „Meisterwerke“ reduziert und die Programmabfolge auf Ouvertüre, Konzert, Pause, Sinfonie normiert. Diese „Kulmination des bürgerlichen Konzertes“, die sich nicht zuletzt durch Subventionen bis heute erhalten hat, traf laut Tröndle im letzten Drittel des 19.  Jahrhunderts den Nerv der Zeit: Man besuchte ein Konzert nicht zuletzt auch, „um das Bedürfnis nach Zugehörigkeit zu einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppe zu befriedigen“.
In den vergangenen Jahrzehnten fiel diese Motivation weg. Identitätsstiftend war eher die Sozialisierung durch eine bestimmte Art der Popmusik, Klassik hat ihr gegenüber an Relevanz verloren. Doch gerade das scheint sich nun wieder zu ändern: Christian Kellersmann vom Musikgiganten Universal Music zumindest sieht in seinem Buchbeitrag die Popmusik im Abschwung. Sie beschränke sich immer mehr auf postmoderne Zitatverweise und habe den lange behaupteten Anspruch auf musikalische Erneuerung verloren: „Popmusik entwickelt sich mehr und mehr zum großen Musical, das täglich von einer Stadt zur anderen reist.“ Auf der anderen Seite belegten die Verkaufserfolge von Klassikalben, dass immer mehr junge Menschen auf der Suche nach Alternativen „die große Substanz, die Vielfalt, die Schönheit und die Geschichte von klassischer Musik“ entdeckten.
Diese Entwicklung müsse nur verstärkt werden. Kellersmann benennt dafür drei Kernpunkte, bei denen er dringenden Veränderungsbedarf im Konzertwesen sieht: Das Image der Klassik muss verbessert werden, die Aufführungskultur muss den Bedürfnissen eines jungen Publikums angepasst werden, und das Repertoire muss sich um zeitgemäße Stücke erweitern. Mit Projekten wie der „Yellow Lounge“, die Klassik in populären Berliner Klubs präsentiert, führt Kellersmann bereits erfolgreich vor, wie das geht.
Natürlich kann ein Projekt allein nicht den Weg aus der Krise weisen. Er ist nur eine von vielen Anregungen, die das Buch gibt. Der Intendant der Niedersächsischen Musiktage, Markus Fein, der als „Konzertkurator“ selbst beispielhaft arbeitet, plädiert für eine neue Dramaturgie der Programme. Weitere Buchbeiträge geben Beispiele für „inszenierte Konzerte“, für das „Regiekonzert“ oder das „Featurekonzert“.
Albert Schmitt, Manager der Bremer Kammerphilharmonie, sieht dagegen ganz andere Probleme: „Eine schöne Frau braucht nicht viel Make-up, und eine Frau, die im tiefsten Inneren nicht von ihrer Schönheit überzeugt ist, wird auch durch das raffinierteste Make-up niemals wirklich attraktiv sein.“ Wichtig ist ihm vor allem die Authentizität der Spieler – ein Konzert werde dann museal, wenn man das „Feuer der Ausführenden“ nicht mehr spüren könne. Statt der Berufsmusiker brauche man „berufene“ Musiker.
Eindeutige Lösungen kann niemand bieten, auch Tröndles Buch nicht. Doch es zeigt, dass es sich lohnt, die gegenwärtige Form des Konzerts zu überdenken. Nicht nur, weil es notwendig ist, um das Konzertleben für die Zukunft zu erhalten. Viel wichtiger ist, dass auratische Konzerte im Sinne Walter Benjamins den Hörern längst ungewohnte Glücksmomente mit Musik wiederbringen könnten. So ist die Zukunft nicht düster, sondern so bunt wie nie.

Dr. Isabella Urban, kulturmanagement.net, 06. Dezember 2009
Das Konzert. Neue Aufführungskonzepte für eine klassische Form
Durchgehend verständlich geschrieben und mit einer ansprechenden Satzgestaltung versehen, dringt dieses Buch entlang dem Begriff der Aufführungskultur tief in die kulturellen, sozialen, ökonomischen und ästhetischen Schichten dessen ein, was ein Konzert eigentlich ausmacht.
Auf breiter Front gilt, dass das klassische Musikereignis – gleich ob Konzert-, Oper- oder Kammermusik – an Relevanz verloren hat, und zwar als ästhetische wie als soziale Institution. Dies ist mittlerweile allgemein bekannt und hat in den letzten Jahren zu einer Vielzahl an Publikationen und Programmen in den Bereichen Audience Development, Music Education und Musikvermittlung geführt. Ziel dieses Bandes ist es, die Diskussion zu diesen Themen um die bisher kaum wahrgenommene Perspektive der ‘Aufführungskultur’ zu erweitern.« (S.10).

So selbstbewusst beginnt »Das Konzert: Neue Aufführungskonzepte für eine klassische Form« von Martin Tröndle, Professor für Kulturbetriebslehre und Kunstforschung an der Zeppelin University. Tröndle entwickelt in diesem Buch mit einer Vielzahl namhafter Autoren aus Wissenschaft und Praxis den Begriff „Aufführungskultur“ und erweitert dadurch maßgeblich das Denken über die live-Präsentationsform der E-Musik. 
In den Aktivitäten zur Musikvermittlung sollen potentielle Besucher (zumeist Kinder und Jugendliche) durch pädagogische, sozialisierende oder werbende Maßnahmen als Konzertbesucher gewonnen werden. Das Konzert an sich bleibt dabei weitgehend unangetastet. 
Martin Tröndle hingegen fragt in seinem Buch danach, wie sich das Konzert selbst, also als ästhetisch-soziales Ereignis verändern muss, um ein neues Publikum anzuziehen. Damit fügt er der aktuellen Diskussion um die Zukunft der Klassik eine tatsächlich neue Perspektive hinzu, die sich auf die These zuspitzen lässt, dass „… die Krise der klassischen Musik weniger eine der Musik selbst ist, als vor allem eine ihrer Darbietungsformen“ (S.21). Woraus folgt: Man muss das Konzert verändern, um es zu erhalten. Ähnlich dem Wandel also, der sich in der Interpretationspraxis vollzogen hat, muss sich auch die „Aufführungskultur“ weiterentwickeln, um einem sich im Wandel befindlichen Publikum gerecht zu werden (S.38).
Um diese Weiterentwicklungen der Aufführungskultur zu skizzieren, vereint das Buch das Who-is-Who der Kulturbetriebslehre – unter ihnen: der Bamberger Kultursoziologen Gerhard Schulze, die Publikumsforscher Heiner Gembris (Universität Paderborn) und Susanne Keuchel (Zentrum für Kulturforschung), die Musikwissenschaftlerinnen Elena Ungeheuer (TU Berlin) und Beatrix Borchard (HMT Hamburg), Christian Kellersmann, Managing Director Universal Music Classics & Jazz und Michael Hutter, der Direktor der Abteilung “Kulturelle Quellen von Neuheit” am Wissenschaftszentrum Berlin, um nur einige zu nennen. 
Die Beiträge folgen einer klaren Logik und geben dem Leser die Möglichkeit schrittweise in die Thematik einzusteigen: Im ersten Teil werden die Problemlagen des Musikbetriebs analysiert. Dann bauen die Autoren, vielfältige neue Perspektiven des „Zukunftskonzerts“ auf: Was lässt sich für das „Zukunftskonzert“ lernen, versteht man das Konzert als performatives Ereignis? Was ist musikalische Präsenz und wie kann der Präsenzcharakter des Konzertereignisses gesteigert werden? Was können wir bei der Untersuchung der sozialen und rituellen Funktion von Musik aus einem musikethnologischen Vergleich erfahren? Welche Chancen ergeben sich aus diesen Überlegungen für die Entwicklung neuer Konzertkonzepte? Welche Zukunft bieten die technischen Neuerung im Bereich der Raumakustik und welche Raumarchitekturen versprechen nachhaltig ein neues Publikum zu erreichen? Diese eher theoretischen Reflexionen tun gut. Sie heben den ansonsten sehr praxisorientierten, musikpädagogischen Diskurs um die Zukunft des Konzertes und eröffnen neue Perspektiven darauf, was ein Konzert ist und was es zukünftig sein sollte.  
Wie diese Überlegungen umgesetzt werden können, zeigen im nächsten Teil des Buches: Ein Versuch, das Konzert dramaturgisch und konzeptionell zu erneuern. 
Im letzten Teil des Buches greift der Herausgeber Martin Tröndle nochmals die wichtigsten Thesen auf und diskutiert sie mit Verantwortlichen des Musikbetriebs: Albert Schmitt, Managing Director der Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, geht dabei vor allem auf das Selbstverständnis der Musiker ein und wie sich dieses Wandeln muss. Der Präsident der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, Elmar Lampson, diskutiert die Ausbildung an Musikhochschulen und skizziert die Schlüsselkompetenzen zukünftiger Musiker. Werner Heinrichs, Rektor der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart diskutiert welche kulturpolitischen Weichenstellungen erfolgen müssten, um die Aufführungskultur erneuern zu können und damit die Klassik zu revitalisieren.
Fazit
Durchgehend verständlich geschrieben und mit einer ansprechenden Satzgestaltung versehen, dringt das Buch entlang dem Begriff der Aufführungskultur tief in die kulturellen, sozialen, ökonomischen und ästhetischen Schichten dessen ein, was ein Konzert eigentlich ausmacht. Diesen Turn von der „Ausführungs- zur Aufführungskultur“ offenbart neue Möglichkeiten für die Zukunft des Konzertes und wirkt erfrischend in der aktuellen Diskussion. Dabei geht es nicht um eine „Eventisierung“ des Konzerts, sondern darum, die Kunstform Konzert als ästhetisch-soziale Präsentationsform zeitgemäß weiter zu entwickeln, um der Musealisierung des Konzerts und der steten Veralterung des Publikums entgegenzuwirken: uneingeschränkte Leseempfehlung.

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